09.August 2008

Es ist wohl mal wieder Zeit für ein Update…

In den letzten Tagen hat sich auf meiner Seite wieder einiges getan, was ihr hoffentlich bemerkt habt. So gibt es zum Beispiel neue und alte Fotos zu betrachten, die nun etwas anders sortiert und kategorisiert sind. Schaut euch einfach mal um…

So, nun aber zu meiner aktuellen Lebenslage: Wie einige von euch ja vielleicht wissen, befinde ich mich derzeit in einer Lebenskrise, wobei ich gestern (Freitag, 08.08.08) erfahren habe, dass das Wort Krise ja von dem (alt-)griechischen Wort κρίσις abgeleitet werden kann und somit eigentlich „Entscheidung oder entscheidende Wende“ bedeutet. (Das ist auch alles auf Wikipedia unter dem Stichwort „Krise“ nachzulesen…) Somit befinde ich mich also an einem „Entscheidungspunkt“ in meinem Leben. Dabei sehe ich mich allerdings mit vielen Entscheidungen konfrontiert. Zunächst einmal muss ich mich entscheiden, ob ich leben oder sterben will, denn irgendwie weiß ich das momentan selber noch nicht, ich möchte beides weder noch, wie schon Robbie Williams sang: „I don't want to die, but I ain't keen on living either“ (ich möchte nicht sterben, aber ich bin auch nicht scharf darauf, zu leben) und irgendwie geht es mir halt ziemlich ähnlich. Das Leben scheint so kompliziert zu sein, es ist so anstrengend, und manchmal wünsche ich mir halt einfach, dass das alles vorbei wäre, dass ich endlich meine Ruhe habe, nichts mehr sehen, fühlen und denken muss… Naja, und wenn ich mich dann doch für das Leben entscheide, dann muss ich weiter entscheiden, wie mein Leben weiter gehen soll, was ich mit meinem Leben weiter machen will, was ich in meinem Leben machen will… Und ehrlich gesagt weiß ich das leider nicht so genau. Ich weiß nicht, was ich machen will, ich weiß nicht, was mir Spaß machen würde oder was ich kann. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gar nichts kann. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht weiß, wer ich eigentlich bin und was ich machen will. Ich weiß nur, dass mir das Leben, mein Leben, wie es im Moment läuft nicht gefällt, aber ich weiß nicht, was und wie ich es ändern soll. Ich würde gerne mehr erreichen, aber meine Ziele sind wohl zu hoch gesteckt… Ich fühle mich nutzlos, weil ich kein großer Mediziner oder Forscher bin, der irgendein Medikament erfindet, dass alles Leid der Erde heilt. Viele sagen mir dann immer, dass ich so wie ich bin wertvoll sei, weil ich ein „lieber, netter Mensch“ sei, aber das reicht mir nicht. Macht das mein Leben wertvoll??? Für mich innendrin fühlt es sich nicht so an…

Eigentlich stecke ich in dieser Krise schon sehr lange (schon einige Jahre), aber ich habe es irgendwie immer geschafft, einfach weiter zu machen, eine Show zu spielen, allen – selbst mir – immer wieder vorzugaukeln, dass bei mir alles okay ist, dass ich glücklich und zufrieden mit meinem Leben bin, aber im Grunde war ich es nicht. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass das nicht stimmte. Aber ich habe dennoch einfach weitergemacht. Letztes Jahr im November ging es dann aber einfach nicht mehr. Ich war am Ende meiner Kräfte. Nichts ging mehr, und ich sah einfach keinen Ausweg mehr. Mir war alles zuviel geworden. Jahrelang hatte ich mich und andere belogen, und nun fühlte ich mich im Netz der Lügen gefangen, konnte nicht mehr weiter, aber zurück auch nicht. Ich stand kurz vor dem zweiten Theologischen Examen und war mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich wollte. Aber zugeben konnte ich es auch nicht, denn was sollen die Leute denken, wenn ich kurz vor dem Examen alles hinschmeiße und abbreche??? Ich konnte und wollte mir und allen anderen nicht eingestehen, dass ich es alleine nicht mehr schaffte. Ich konnte mich an niemanden wenden, weil ich Angst vor den Reaktionen hatte. Angst, abgewiesen zu werden, Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Für mich gab es in dem Moment nur noch einen Weg, den ich gehen konnte. Und ich begann ihn zu gehen… und wurde daraufhin Ende November von meinem Hausarzt nach einem Selbstmordversuch in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Da saß ich nun in der „Geschlossenen“ und musste mir und den anderen eingestehen, dass ich gescheitert war, dass ich ein Versager und Looser war, dass ich das Leben nicht alleine schaffe, dafür aber das Leben mich… Ich bin dann erstmal vom zweiten Examen zurückgetreten, und zum Teil auch vom Leben. Einen Monat habe ich in der psychiatrischen Klinik verbracht, weggesperrt vom Leben, eingesperrt auf der Geschlossenen. Kurz vor Weihnachten habe ich die Klinik auf eigenen Wunsch verlassen, bin dann aber Ende Januar in eine andere psychiatrische Klinik gegangen, wo ich 14 Wochen stationär therapiert wurde. Dort wurde auch die Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ festgestellt. Danach habe ich dann noch 8 Wochen Therapie in einer psychiatrischen Tagesklinik genießen dürfen und mich mit meiner Diagnose auseinandersetzen dürfen, und nun sitz erstmal wieder zu Hause, noch immer krankgeschrieben, auf der Suche nach einem Therapeuten, was sich allerdings schwieriger gestaltet, als ich es erwartet hatte. Ich habe bereist bei insgesamt 33 Therapeuten im Umkreis von Unterlüß angerufen, und bin gerade mal bei zwei bis drei Therapeuten auf der Warteliste gelandet, wobei die Wartezeiten bei den meisten so zwischen 6 Monaten und einem Jahr betragen. Das ist ganz schön anstrengend und schlaucht mich ziemlich, immer wieder abgewiesen zu werden. Schnell verfalle ich in meine alten Denkstrukturen, dass ich es wohl einfach nicht wert bin, einen Therapieplatz zu bekommen, und dass das Ganze ja sowieso keinen Sinn zu machen scheint… Aber zum Glück habe ich ja Leute um mich herum, die mich immer wieder aufbauen und mir Mut machen. Und wenn ich zum Beispiel Zeit mit meinem Patenkind und ihrer großen Schwester verbringe, dann bin ich schon froh, dass meine Aktion im November nicht so funktioniert hat, wie ich mir das eigentlich gedacht hatte…

Und so kämpfe ich mich derzeit also immer noch Schritt für Schritt durch meine Krise. Oftmals geht mir das alles zu langsam, ich will keine kleinen Schritte machen, sondern ich will gleich den großen Schritt machen, aber meine Therapeuten haben versucht mir klar zu machen, dass das nicht geht, dass ich mich über die kleinen Erfolge freuen muss, sie akzeptieren muss. Sie haben auch versucht mir klar zu machen, dass ich noch einen sehr langen Weg vor mir habe und noch einige Jahre Therapie benötigen werde, und dass es immer wieder mal schlechte Tage und Wochen geben wird, dass ich immer wieder mal in meine alten Verhaltensmuster zurückfallen werde, dass es auch in Zukunft passieren wird, dass ich Dinge tue, die ich vielleicht gar nicht tun will. Das Wichtige dann ist, dass ich mich nicht gleich wieder dafür bestrafe, sondern dass ich lerne, auch die Seiten und das Verhalten an mir zu akzeptieren, die und das ich gar nicht leiden kann und am Liebsten von mir trennen möchte… Es ist normal, dass man mal hinfällt, wenn man läuft, das ist nicht schlimm, das Wichtige dabei ist nur, dass man wieder aufsteht und weitergeht! Vom Kopf her weiß ich das alles, aber es ist so verdammt schwer, das durchzusetzen und zu akzeptieren. Ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe, ich weiß, dass der Weg nicht immer gut sein wird, na ja, das heißt, eigentlich hoffe ich im Moment ja noch, dass er irgendwann mal wieder gut bzw. besser werden wird, denn im Moment finde ich den Weg ziemlich mies. Aber ich weiß auch, dass ich nicht aufgeben darf, dass ich weitergehen muss, und ich bin gespannt, wo der Weg mich hinführen wird, was ich noch alles sehen werde und wem ich auf meinem Weg noch begegnen werde. Und so gehe ich halt erstmal weiter, noch recht wackelig und unsicher, aber mit jedem Schritt den ich gehe, und wenn er noch so klein ist, geht es weiter, und das ist immer noch besser, als einfach stehen zu bleiben…

So, jetzt wisst ihr also ganz genau bescheid, wo ich gerade stecke, was ich durchgemacht und hinter mich gebracht habe, was noch vor mir liegt, und wie es mir momentan damit geht. Ihr seid jetzt also wieder auf dem neuesten Stand, was mein Leben angeht.

Alles Liebe,

Krischi