zerrissen

verstümmelt

zertrümmert

in tausend winzige teilchen zersplittert

kaputt

wie ein puzzle

nicht zusammengesetzt – falsch zusammengesetzt

in einzelteile zerlegt

wie eine ruine,

die mehr und mehr zerfällt

aber war ich überhaupt jemals zusammen?

war ich jemals ganz?

vielleicht war ich von anfang an eine ruine,

aufgebaut als ruine

während handwerker an einer seite bauen,

fällt eine andere seite ein – wird eingerissen

von einer riesigen abrissbirne

eine andere seite fällt der witterung zum opfer:

der wind bläst und die steine fallen aus der wand,

weil sie nur lose aufeinander liegen

der mörtel, der alles zusammenhalten sollte, fehlt

kein kleber, der mich hält

aufgebaut um zu zerfallen

wie der turm aus bauklötzen,

der nur aufgebaut wird,

damit das kleinkind sich daran erfreuen kann,

ihn umzustoßen,

ihn zu zerstören…

 

                                                      16.April 2009

 

 

manchmal,

wenn die gedanken in meinem kopf

so schnell und so laut werden,

dass ich sie gar nicht mehr höre,

dann zieht sich mein körper zusammen.

krämpfe,

überall,

am ganzen körper,

deformieren mich zu einem eingerollten igel.

gekrümmt liege ich da,

unfähig mich zu rühren,

warte ich darauf,

dass wieder ruhe einkehrt,

dass das chaos sich wieder legt,

dass mein körper sich wieder entspannt,

und dass die gedanken entschleunigt werden.

und nach scheinbar endlosen minuten,

die mir wie stunden erscheinen,

ist es dann vorbei,

so plötzlich, wie es gekommen ist.

die muskeln entspannen sich

und die gedanken

drehen sich endlich wieder langsamer

und werden wieder leiser,

bis es wieder von vorne losgeht…

 

                                                      13.April 2009

 

 

warum ich?

warum bin ich wie ich bin?

warum kann ich nicht wie die anderen sein: NORMAL

warum muss ich so ein beschissener psycho sein?

manchmal wünsch ich mir, ich hätte krebs,

einen tumor, den man raus operieren kann,

und wenn er dann raus ist, ist alles wieder gut,

und man wird – im besten fall – wieder gesund.

eine krebsgeschwulst oder eine andere „handfeste“,

gesellschaftlich anerkannte krankheit.

etwas, was die leute verstehen,

etwas, das man auf röntgenbildern

oder im ultraschall sehen kann.

aber nein,

ich hab so eine beschissene psycho-krankheit,

von anderen eher als eine „pseudo-krankheit“ angesehen.

warum auch muss sich meine blöde seele so anstellen???

wie soll man anderen da deutlich machen,

dass man wirklich krank ist,

wenn man es selbst noch nicht mal richtig begreifen kann???

hätt‘ ich ein gebrochenes bein,

so würde man am gips erkennen,

dass ich verletzt bin.

plötzlich wären alle nett zu mir,

würden mir türen aufhalten,

mir helfen,

aufpassen,

dass ich mich schone…

aber wer sieht denn schon von außen,

dass meine seele in mir in trümmern liegt?

wer nimmt schon rücksicht auf die seele?

 

                                                      13.April 2009

 

 

ich falle

falle immer weiter

immer tiefer

doch ich schlag nicht unten auf

ich stürze in die tiefe

wer fängt mich auf?

und noch während ich falle

hab ich plötzlich das gefühl zu versinken

wie im treibsand

oder wie im moor

denn je mehr ich strampel

und je mehr ich versuche mich zu befreien

desto tiefer sinke ich ein

und kriege keine luft mehr

die massen zerdrücken mich

und quetschen mich ein

und dann wach ich auf

war es real

oder war es ein traum

es fällt mir immer schwerer

die beiden zu unterscheiden

werde ich verrückt

oder liegt das an den pillen?

 

                                                      11.April 2009

 

 

ich fühl mich allein

elend

im stich gelassen

hilflos

- wie ein kind

sehne ich mich nach liebe

nach zuneigung

                    nach wärme und geborgenheit

                    nach einer hand, die mich hält

aber gleichzeitig

beiße ich die hand, die mich füttert

stoße jeden von mir

der mir helfen will

mich lieben will

ich fahre meine krallen aus

beiße, schlage, trete um mich

ich igel mich ein

um meine stacheln zu zeigen,

die sagen:

„bleib weg von mir,

komm mir nicht zu nah, oder du wirst es bereuen“

ich sitze da,

stumm wie ein fisch

obwohl ich schreien will:

„hilf mir, lieb mich“

in mir sind die stimmen so laut

sie schreien, brüllen, toben

sie rufen um hilfe

doch kein laut dringt durch die igelhaut nach draußen

die hilfeschreie prallen an der außenhülle ab

bleiben in mir eingeschlossen

wo ihr echo wiederhallt und wiederhallt

während gutgemeinte, liebevolle worte

an der anderen seite abprallen

nicht zu mir hineingelangen können

nicht zu mir vordringen können

draußen bleiben müssen

die igelhaut ist undurchlässig

sowohl von innen

als auch von außen

vielleicht hilft es ja,

wenn ich sie einschneide

wie ein brot, das man einschneidet, damit die kruste aufbricht

vielleicht können die hilferufe durch die einschnitte entweichen

und vielleicht gelingt es einigen gutgemeinten worten

zusammen mit der salbe über die wunden

in mich und zu mir

ein- und vorzudringen

vielleicht ist ja doch noch nicht alles verloren…

 

                                                      11.April 2009

 

nachts

schweißgebadet

schrecke ich hoch

versuche die bilder aus meinem kopf

                                                     aus meinen Gedanken zu vertreiben

wut und hass

kochen und brodeln noch immer in mir

sie fordern blut

immer wieder fordern sie blut

doch ich kann ihnen nicht das geben was sie fordern

kann doch nicht meinen vater totschlagen

aber immer noch fordern sie blut

und ich versuche sie zu besänftigen

mit einem opfer

ich opfere mich

gebe ihnen mein blut

das ja auch sein blut ist

denn bin ich nicht von seinem blut?

das opfer besänftigt und beruhigt sie

sie trinken sich satt

und schlafen wieder ein

und sehen so friedlich, so zahm aus

doch ich weiß, dass dieses opfer

sie nicht auf dauer ruhig hält

es dürstet sie nach etwas anderem

mein opfer ist und bleibt nur eine ablenkung auf zeit

und bald schon wachen sie wieder auf

und schreien von neuem nach blut…

 

                                                      10.April 2009

 

es macht mich wahnsinnig

nicht zu wissen

wer ich bin

und was ich will

nicht zu wissen

welchen weg ich gehen soll

und welchen besser nicht

es macht mich wahnsinnig

nicht zu verstehen

warum ich die dinge tue

die ich nicht tun sollte und will

und die dinge die ich tun sollte

nicht tue

es macht mich wahnsinnig

nicht zu wissen

warum ich bin

wie ich bin

es macht mich wahnsinnig

zu sein

wer und wie ich bin

ohne zu wissen

wer ich bin

 

                                                      10.April 2009

 

auf dem weg des lebens

und es gibt kein zurück

bereit

für den kampf

mit dem tod

tag für tag

- werd ich gewinnen?

wann werd ich verlieren

ist der tag nah

oder ist er noch fern

wie lang halt ich noch aus

wann geb ich auf

wo soll ich hin

wo ist zuhaus?

 

                                                      10.April 2009

 

wo geh’n wir hin

wo komm’n wir her

wer ich bin

und wer ist wer

bin ich ich

oder bin ich du

bist du ich

spiel’n wir blinde kuh

wer ist „ich“

und wer bist du

 

                                                      10.April 2009