ja oder nein

hop oder top

zick oder zack

leben oder sterben

was will ich?

ich will beides

und gleichzeitig nicht

ich will leben

und doch setze ich alles daran,

mich selbst zu zerstören

tablettenmissbrauch

zu viele tabletten auf einmal

und gleichzeitige verweigerung;

nehme die medikamente nicht,

die mir helfen könnten

rauf oder runter

hin oder her

ich will sterben

und doch halte ich am leben fest

hole mir hilfe,

lasse mich nähen und verarzten

und doch kann ich mich nicht trennen

von den rasierklingen

und von den medikamenten,

die ich horte,

nur für den notfall…

 

                                                    18.August 2009

 

ich soll nicht fragen

warum?

aber dabei ist das „warum?“ so laut in mir:

warum bin ich so, wie ich bin?

warum sind meine geschwister nicht so?

warum stecke ich in der sackgasse?

warum laufe ich immer weiter

immer tiefer in die sackgasse hinein?

warum laufe ich immer weiter

und verstricke mich immer mehr?

warum laufe ich immer weiter,

obwohl mir das wasser schon bis zum hals steht

und die schlammmassen drohen,

mich zu ersticken,

mich zu erdrücken?

warum grabe ich das loch in dem ich sitze

immer tiefer?

ich bin schon so tief,

dass ich kaum noch weiß,

wo oben und wo unten ist

ich kann kein licht mehr sehen

und dennoch grabe ich tiefer und immer tiefer

vielleicht komm ich ja bald auf der

anderen seite wieder raus,

wieder ans sonnenlicht

ich renne weiter in die sackgasse hinein

weiter und immer weiter

und wenn ich ans ende gelange,

werde ich mir einfach einen weg suchen,

und wenn notwendig einen weg machen

ich werde mich durchs tiefste gestrüpp kämpfen

auch wenn dornen mich zerreißen,

aber wenn ich erstmal durch bin,

dann wird es dahinter wieder einen weg geben,

darauf hoffe ich

darauf vertraue ich

das weiß ich,

es muss einfach so sein!

 

ich soll nicht fragen

wie?

aber wie soll ich aus der sackgasse rauskommen,

wenn ich nicht weiß,

wie ich das machen soll?

wie kann ich meine beine dazu bringen, umzudrehen?

wie kann ich die frage nach dem „wie?“ nicht stellen,

wenn ich nicht weiß,

wie ich weitermachen soll?

wie kann ich meine schuldgefühle abstellen?

wie kann ich den ersten schritt gehen,

wenn meine ängste mich blockieren?

wie kann ich meine ängste bekämpfen,

wenn ich sie nicht mal benennen kann?

wovor hab ich denn eigentlich angst?

vor gar nichts

und doch gleichzeitig vor allem

vor mir

vor anderen

vor stillstand

vor veränderung

vor dem leben

vor dem sterben

ich habe angst, falsche entscheidungen zu treffen

ich habe angst davor, fehler zugeben zu müssen

ich habe angst davor, nicht perfekt zu sein,

obwohl ich doch weiß, dass niemand perfekt sein kann

und ich weiß nicht, wie ich mit diesen ängsten umgehen soll

wie kann ich die ängste akzeptieren,

wenn sie doch für fehler und nicht-perfekt-sein stehen?

wie kann ich mich selbst akzeptieren,

wenn ich mich so sehr hasse,

weil ich meine eigenen erwartungen nicht erfülle,

nicht erfüllen kann,

weil sie unrealistisch sind?

wie kann ich meine erwartungen auf ein realistisches niveau bringen?

was ist überhaupt realistisch

und wo ist die grenze?

wie kann ich meine erwartungen runterschrauben,

ohne mich selbst dabei zu verraten und aufzugeben?

wie soll ich das machen?

wie soll ich den ersten schritt gehen,

wenn ich nicht weiß,

welcher der erste schritt ist???

 

                                                      21.August 2009

 

 

IM AUGE DES STURMS

 

gefangen im strudel

im sog

im wirbelsturm

bin ich im auge des sturms

in seiner mitte

ist es ruhig

um mich herum

dreht sich alles

schneller und schneller

der sturm entwurzelt alles,

was sich ihm in den weg stellt

alles wird mitgerissen

durch die gegend geschleudert

und zerstört

doch ich bin

im auge des sturms

dort ist es ruhig

doch auch gefährlich

denn ich muss aufpassen

jede sekunde ist anstrengend

denn ich muss

mit dem auge des sturms gehen

darf nicht an die wände kommen,

muss aufpassen,

dass ich im ruhigen

auge bleibe

damit der sturm

mich nicht auch

entwurzelt

muss aufpassen,

nicht vom

sturm

er-

wischt

zu

werden

aber

wie

lange

halt

ich

noch

durch

?

?

?

 

                                                    21.August 2009

 

zahlreiche narben

stumme zeugen

des krieges

den ich in mir

gegen mich führe

und manchmal

auch außen sichtbar

austrage

tag für tag

kämpfe ich

gegen mich an

ziehe in die schlacht

mal verliere ich

doch manchmal gewinne ich auch

- kurze lichte momente

voll sonne und schönheit –

bis wieder dunkle wolken

am horizont auftauchen

den himmel verdunkeln

blutrot die sonne

kampf

immer wieder

immer gleich

und doch

immer anders

 

                                                        23.August 2009                         

 

 

ich bin ein einziger großer fehler

ich kann nichts richtig machen

ich kann nichts

ich bin nichts

außer einem fehler

wozu sollte ich noch weitermachen?

damit ich anderen im weg stehe?

damit ich mir selbst weiter im weg stehe?

mein leben dient niemandem

am wenigsten mir selbst

ich hasse mich

ich hasse mein leben

ich hasse, wie ich bin

nichts macht mehr sinn,

am allerwenigsten ich selbst

ich behindere nur andere an ihrem leben,

ziehe sie mit runter in den tiefen abgrund in dem ich selber lebe

ich will das nicht

aber es fällt mir trotzdem schwer, loszulassen und einfach zu gehen

ich kann es niemandem recht machen

und schon gar nicht meinem vater

oder mir selbst

ich habe keine ziele mehr,

weiß nicht mal, ob ich je welche hatte

alles ist verloren,

warum also noch weitermachen?

warum muss ich so verkorkst sein?

warum kann ich nicht mal rational und ruhig bleiben?

die gefühle überrennen mich,

übernehmen das kommando

sie überrumpeln und übermannen mich,

lassen mich nur noch rot sehen

die wut steigt auf,

eine unkontrollierbare wut

hass frisst mich von innen her auf

ich kann nicht mehr klar denken

nichts geht mehr

die gier nach blut wird immer stärker

ich sehe rot,

muss handeln,

sonst platze ich

nie kann ich es ihm recht machen,

alles was ich mache ist falsch,

egal, wie ich es mache,

es ist immer falsch,

alles ist ein fehler,

ihn fragen ist falsch,

ihn nicht zu fragen ist genauso falsch

alles mache ich verkehrt,

weil ich nun mal ein riesengroßer fehler bin,

deshalb kann alles, was ich mache ja auch nur ein fehler werden...

ein wort ergibt das andere,

immer wieder eskaliert es,

immer ist es natürlich meine schuld,

weil ich der größte herumlaufende fehler der welt bin,

ich bin eine niete, ein versager, eine absolute fehlkonstruktion, eine mißgeburt

dabei sehne ich mich doch nur nach seiner scheiß liebe, nach seiner anerkennung,

und eigentlich sollte mir nach 31jahren doch mal klar werden, dass ich mich vergeblich danach sehne,

weil ich seine liebe nicht wert bin

ich bin ein nutzloser fehler,

ich bin niemandes liebe wert,

ich bin es einfach nicht wert!

ich bin sowieso und überhaupt gar nichts wert

ich bin so nutzlos wie nur irgendwas

ich kann nicht mehr weiter,

aber auch nicht zurück,

es gibt keinen ausweg mehr,

alles sinnlos,

genauso wie diese worte,

die ich nur schreibe, um es loszuwerden,

die aber wahrscheinlich sowieso niemanden interessieren...

mein leben ist wie ein stein

der nutzlos mitten im weg liegt,

ein ärgernis, weil man darüber fallen und sich dabei womöglich noch verletzen kann,

ich bin ein ärgernis, eine stolperfalle, eine gefahr für jeden, der meinen weg kreuzt

ich bringe andere zum stolpern,

ich verletze andere,

und das will ich nicht,

es wird zeit,

dass dieser stein aus dem weg geräumt wird

damit man diesen weg gefahrlos gehen kann

es wird zeit,

dass das ärgernis beseitigt wird,

damit andere nicht behindert werden

und doch fehlt mir die kraft und der mut,

den stein endgültig aus dem weg zu räumen

irgendetwas in mir hält noch an diesem bescheuerten leben fest,

etwas in mir will den weg noch weitergehen, etwas in mir hindert mich daran, die rasierklinge tief genug und lang genug durch meine arme zu ziehen,

irgendetwas in mir blockiert meinen hals,

damit ich die tabletten nicht schlucken kann,

ich muss also zuerst dieses etwas ausschalten, um den stein endgültig ins rollen zu bringen...

 

wieder einmal ein erfolgloser versuch

wieder einmal hat sich im letzten moment der verstand eingeschaltet

wieder einmal hat sich das „etwas“ in mir

gegen die überrollenden gefühle in letzter sekunde entgegengestellt,

wieder einmal hat mich die panik vor dem tod ergriffen,

aber erst, als das blut bereits aus meinem arm spritzte,

als mein verstand begriff, was geschehen war,

nämlich, dass ich diesmal scheinbar wirklich tief genug gekommen war,

da hat er sich wieder eingeschaltet, dieser schweinehund

warum lässt er mich zuerst immer im stich,

um dann doch noch ins geschehen einzugreifen?

warum schaltet mein gehirn in solchen situationen immer zuerst ab,

lässt die wut und den hass die oberhand gewinnen,

damit sie tun, was getan werden muss,

um es sich dann in letzter sekunde doch noch anders zu überlegen?

warum lässt es nicht einfach geschehen?

warum kann mein verstand es nicht einfach weiter geschehen lassen,

damit das alles hier endlich mal ein ende hat?

nein, in letzter sekunde schreitet er ein,

ruft „halt! stopp! das ist zu viel… zu viel blut, das könnte das ende sein…“

in letzter sekunde greift der verstand wieder ein,

unterstützt den funken lebenswillen,

facht ihn noch ein wenig mehr an,

damit der körper beginnt zu handeln,

dem selbstzerstöririschen handeln ein ende zu setzen,

damit der körper beginnt maßnahmen zur rettung zur ergreifen,

indem er die wunde verbindet,

versucht, die außer kontrolle geratene blutung zu stoppen

wieder einmal hat sich der verstand in letzter sekunde eingeschaltet,

wieder einmal hat am ende der kleine funke überlebenswille gesiegt,

so dass mein körper maßnahmen ergriff

 

warum nur, bin ich so, wie ich bin?

warum fressen der hass und die wut mich innerlich so auf?

warum nur will ich mich immer wieder aufs neue selbst zerstören?

warum nur kann ich nicht endlich loslassen?

warum kann meine seele nicht endlich auch begreifen,

was mein verstand längst weiß.

nämlich dass ich niemals das bekommen werde,

wonach ich mich doch schon mein ganzes leben lang sehne?

warum kämpfe ich immer noch um liebe und anerkennung,

obwohl ich doch vom kopf her längst weiß,

dass es ein sinnloser und hoffnungsloser kampf ist?

ich kämpfe, wie don quichote gegen die windmühlen,

ich mühe mich ab, wie sisyphus,

jeden tag rolle ich „meinen stein“ aufs neue auf den berg hoch,

nur um am nächsten morgen festzustellen,

dass er wieder unten am fuß des berges liegt

jeden tag hoffe und kämpfe ich um liebe,

jeden morgen stehe ich auf und denke,

dass es heute passieren könnte,

dass ich heute das bekomme,

wonach ich mich solange sehne,

und was ich so dringend brauche,

um endlich durch starten zu können,

und manchmal scheint es mir abends dann tatsächlich so,

als ob ich eine tür aufgemacht habe,

als ob ich etwas bewegt hätte,

nur um dann am nächsten morgen festzustellen,

dass die tür wieder fest verschlossen ist,

als ob sie niemals aufgewesen wäre,

als ob es den schwachen lichtschein,

der durch den offenen spalt gefallen war,

niemals gegeben hätte,

und die suche nach dem schlüssel wieder von vorne beginnt…

 

aber solange ich hier bin,

hoffe ich weiter,

dass sich die tür eines tages doch noch öffnet,

das ein wunder geschieht

und das will ich auf keinen fall verpassen,

daher traue ich mich nicht fort zu gehen,

traue mich keinen meter weit fort,

denn wie soll mich die liebe in der ferne finden und erreichen?

in der ferne fühle ich mich noch machtloser,

noch hilfloser, noch abhängiger von ihr als hier, direkt vor ort

von hier aus kann ich selber nach der tür suchen,

kann versuchen mich beliebt und geliebt zu machen,

kann mich nützlich [und vielleicht unentbehrlich] machen,

kann vor ort helfen, durch werke,

so wie ich es von klein auf gelernt habe,

wie soll ich das aus der ferne tun?

ich habe angst,

dass sich die tür für immer verschließt,

dass sie sich dann niemals für mich öffnen wird

und ich würde leiden

ich würde in der ferne mehr leiden als hier,

weil ich von der ferne aus nichts machen kann,

weil ich dann nicht vor ort helfen kann,

weil ich dann aus den augen bin,

und vielleicht auch aus dem sinn,

weil es dann den eindruck erwecken könnte,

als hätte es mich nie gegeben,

weil ich in der ferne an schuldgefühlen eingehen würde,

weil alle meine gedanken fortwährend immer nur um zu hause kreisen würden

weil ich selbst in der ferne keinen abstand bekommen würde

und die trennung mich komplett zerreißen würde …

 

                                                   05.August 2009

 

 

ich versteh mich nicht

ich halte es nicht aus

eiskalte mauern aus schweigen

umringen mich

in mir sprudeln

gedanken und gefühle durcheinander

doch ich finde keine worte

kann mich nicht ausdrücken

es ist,

als ob alles getrennt ist:

der kopf ist für sich

in ihm läuft das fließband mit den gedanken

immer wieder und wieder rum

doch niemand holt die gedanken ab,

wie herrenlose gepäckstücke drehen sie ihre runden

auf dem ewig fließenden band

niemand wandelt die gedanken in worte um,

die dann zum mund tarnsportiert werden,

damit dieser sie ausspricht

nein – da ist niemand

die verbindung vom hirn zum mund

scheint lahmgelegt worden zu sein

nicht ein einziges wort

kommt über mein lippen

und das macht mich wütend

ich sitze da

vor meinem therapeuten

der mir helfen will

und kann nichts sagen

es geht einfach nicht

ich bekomme kein wort heraus

in mir tobt der kampf

ich will etwas sagen,

aber es geht nicht

ich könnte mich dafür ohrfeigen

würde mir am liebsten

eine axt ins bein hauen

doch auch das hilft nicht

die mauer aus eisigem schweigen

lässt sich nicht erweichen

der kopf bleibt für sich

und sieht und hört zu

wie die gedanken weiter im kreis laufen

und wartet verzweifelt, dass jemand sie abholt

und die seele spürt den hass,

die wut,

die enttäuschung und verzweiflung

immer stärker in mir aufsteigen

die gefühle überrumpeln mich

machen es mir noch unmöglicher

worte für das zu finden,

was in mir vorgeht

und währenddessen verrinnt die zeit

schneller und schneller

das ticken der uhren wird immer lauter

hallt in meinen ohren wieder und wieder

und das blut rauscht in den adern und ohren

ich höre nichts mehr

außer ticken und rauschen

das mittlerweile

zu einem lauten dröhnen angeschwollen ist

jetzt finde ich eh keine worte mehr

und selbst wenn ich sie fände,

wer sollte sie denn schon verstehen?

 

                                                                 03.August 2009