welchen weg soll ich nehmen

an der kreuzung mitten im nirgendwo

tausende wege gehen hier ab

doch kein schild, kein wegweiser

welcher weg führt mich zu meinem leben?

welcher weg ist ein irrweg?

welcher eine sackgasse?

im irrgarten des lebens

steh ich da

und kann mich nicht entscheiden

welchen weg soll ich nehmen?

was, wenn ich mich falsch entscheide,

den falschen weg wähle?

unfähig, eine entscheidung zu treffen,

bleib ich stehen,

vor angst wie gelähmt

wage ich nicht einmal den ersten schritt

und verzweifle an meiner untätigen unfähigkeit…

aber wie soll ich mich für einen weg entscheiden,

wenn ich nicht mal weiß, was ich heute essen will?

wie soll ich mich für einen weg entscheiden,

wenn ich mich nicht mal für ein fernsehprogramm entscheiden kann

und unruhig von kanal zu kanal, von film zu film zappe,

hin und zurück,

hin und zurück

wieder und immer wieder

und so fünf filme parallel gucke,

aber keinen so wirklich???

 

                                                      03.März 2009

 

 

 

jeckyll oder hyde

 

was ist los mit mir?

wer bin ich?

ich habe angst

angst vor dem alleinsein

angst vor mir selbst

es kommt mir vor,

als ob ich manchmal keine kontrolle mehr über mich hab,

als ob eine fremde macht oder person besitz von mir ergreift,

die macht und kontrolle übernimmt,

mich steuert,

und ich sehe mir von außen aus der ferne zu,

sehe, wie die hand

- meine hand –

die rasierklinge ergreift

und sie durch die haut zieht,

tiefer und immer tiefer;

ich sehe, wie das blut zu fließen beginnt,

wie es immer schneller fließt,

immer mehr,

wie es beginnt, auf den boden zu tropfen,

wie das dunkelrote blut auf die weißen fliesen trifft,

wie aus anfänglichen tropfen ein rinnsal wird,

das vom arm auf den boden fließt,

wie die blutlache immer größer wird

und die tropfen zu allen seiten spritzen

all das bin nicht ich,

ich bin meilenweit entfernt dabei,

sehe mir aus der ferne zu

und weine über und um mich,

bin traurig und wütend,

entsetzt und enttäuscht zugleich

und dann kehre ich langsam zurück in meinen körper

spüre den schmerz, den die klaffende wunde verursacht,

beginne sie zu versorgen,

und danach reinige ich das bad,

und fühle mich dabei so schlecht;

der blutgeruch ruft ekel hervor in mir…

wie nur kommt es, dass mir das immer wieder passiert?

dass ich mich immer wieder selbst verletze

aber dass ich nicht in der lage bin,

einen gegenstand kaputt zu machen,

und sei er noch so sinnlos…

warum zerstöre ich mich immer wieder selbst

und nicht das, was mich zerstört?

 

                                                      02.März 2009

 

 

kopf im sand

 

gefühle und gedanken drehen sich in meinem kopf

fahren karussell

und wiederholen sich immer und immer wieder

und ich weiß nicht mehr weiter,

alles wächst mir über den kopf

und ich sehe keinen ausweg mehr,

alle wege wie verschwunden

- kopf im sand –

gefühle und gedanken drehen sich in meinem kopf

fahren karussell

und mir wird schlecht

abends gehe ich mit ihnen ins bett

und morgens stehe ich mit ihnen auf

immer sind sie da

immer und immer und immer wieder

drehen sie sich im kreis,

verfolgen mich,

bringen mich um den schlaf

und um mein leben,

sie haben mich in der hand,

kontrollieren mich,

lassen mich dinge tun, die ich nicht tun will,

sie versperren mir den blick auf die schönen und positiven dinge im leben,

versperren mir den weg zum ausweg,

alle wege versperren sie mir,

lassen mich weiter im kreis drehen,

so wie sie sich in meinem kopf dauernd im kreis drehen,

sich ständig wiederholen

und mich täglich grüßen wie das murmeltier…

 

                                                      02.März 2009

 

 

es wird gesagt:

„es ist nicht schlimm, hinzufallen,

man muss hinterher nur wieder aufstehen“,

aber wie soll ich wieder aufstehen,

wenn ich beim hinfallen in tausend winzige teile zerfallen bin?

es wird gesagt:

wer vom pferd gefallen ist,

muss sofort wieder aufsteigen“,

aber wie soll ich wieder aufsteigen,

wenn das pferd weggelaufen und der zug abgefahren ist?

und jetzt steh ich da,

zerrissen, hilflos und alleine

im nirgendwo

und weiß nicht, wohin ich gehen soll,

welche richtung ich einschlagen

und welchen weg ich gehen soll

niemand da, den ich fragen könnte

niemand da, der mir helfen könnte

niemand da, der mich begleitet,

ein stück weg mit mir geht

ich fühl mich allein, verlassen und einsam,

gestrandet, zerrissen und am ende

wo soll ich hin?

was soll ich tun?

welchen weg soll ich gehen?

wer hilft mir?

wer kann mir helfen?

alles scheint sinnlos, hoffnungslos

den kampf verloren

wo es hinführen soll – ich weiß es nicht

ich weiß gar nichts mehr

und schon gar nicht mehr weiter…

 

                                                02.März 2009

 

 

gefühle überrennen mich

gefühle, die ich sicher verwahrt im tresor wähnte,

eingesperrt

das tier – meine wut, mein hass, meine aggression,

die mich die kontrolle verlieren lässt…

warum nur bricht sie immer wieder aus?

wie schafft sie es immer wieder

- wo doch nur ich weiß, wie der tresor zu öffnen ist?

vielleicht,

weil sie ein teil von mir ist,

weil sie ich ist…

ich bin die blinde wut, der blinde hass

fleischgeworden

gebe ich nicht eher ruhe, bis blut fließt

mein blut…

viel blut…

und doch will ich das nicht

der verstand weigert sich, das hinzunehmen,

leugnet die mich zerfressende wut,

übersieht das feuer, das mich innerlich auffrisst,

will es nicht wahrhaben,

versucht es zu vertuschen

und immer wieder

sperrt der verstand die wut – das tier

in seinen käfig in dem tresor

und denkt dabei nicht daran,

dass ich das doch selber bin

ich bin dr. jeckyll und mr. hyde…

 

                                              28.Januar 2009